Rückschlag fürs Kongresszentrum

Projekt Kongresszentrum auf dem Carparkplatz HB

Artikel vom 28. Mai 2018 im Tagi

Warum denn ein weiteres Kongresszentrum bauen an Stelle des Carparkplatzes, wenn dieser doch dank der boomenden Fernbusse immer wichtiger werde, kritisiert Erich Gerber.
Bild: PD

Marius Huber
Redaktor Zürich
@tagesanzeiger Aktualisiert vor 32 Minuten

 

Für die Verfechter eines privat finanzierten Kongresszentrums auf dem Carparkplatz beim Zürcher Hauptbahnhof kommt derzeit viel Unerfreuliches zusammen. Noch immer fehlen über tausend Unterschriften, damit ihre Volksinitiative zustande kommt, mit der Universität und der ETH sind die zugkräftigsten Unterstützer abgesprungen – und jetzt meldet sich auch noch ein Kritiker aus einer unerwarteten Ecke: Ausgerechnet Erich Gerber warnt vor dem Projekt, der Zürcher Tourismusdirektor der Jahre 1975 bis 1990. Er stellt sich damit gegen den Alt-Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber, der bis 2015 selbst Präsident von Zürich Tourismus war und heute eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt ist.

Erich Gerber sagt, er könne das Vorhaben «aus touristischer Erfahrung» nicht unterstützen. Er sei überzeugt, dass ein zusätzliches Kongresszentrum für die Region Zürich an den Flughafen gehöre. Dort, wenige Bahnminuten von Zürichs Zentrum entfernt, entstehen im Rahmen des Grossprojekts The Circle neue Kongressräume, kombiniert mit zwei Hotels der Hyatt-Gruppe. Dieser Komplex werde dafür sorgen, dass Zürich in die Top Ten der europäischen Kongressstädte aufsteige.

Robert Gubler von der IG Kongress-Stadt, die auf dem Carparkplatz bauen will, kontert: Das Angebot am Flughafen sei mit 1500 Plätzen zu klein, der Standort austauschbar und für internationale Kongresse reizlos.

Kritikerin ist jetzt Stadträtin

Für Gerber spricht noch etwas anderes gegen das Projekt: Der Carparkplatz sei wichtig für den Tourismus. Seine Bedeutung dürfte noch zunehmen, weil Fernbusse Auftrieb haben und der Bund bald ein nationales Konzept für Busterminals erarbeiten dürfte. Von den Initianten werde diese Funktion des Areals «offenbar total ignoriert», kritisiert Gerber. Nicole Barandun von der IG Kongress-Stadt hält dagegen, dass der Hauptbahnhof für ein Busterminal der falsche Ort sei. Fernbusse gehörten an die Peripherie, damit sie nicht im innerstädtischen Stau stecken blieben. Für touristische Rundfahrten genüge eine Haltestelle neben dem Kongresszentrum.

Ein  weiteres Handicap des Projekts ist die Wahl der Grünen Karin Rykart indie Stadtregierung. Sie war die Urheberin jener Motion, die einen Kongressbau auf dem Carparkplatz explizit ausschliesst – womit sie die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative ausgelöst hat. Auch Stadtrat André Odermatt (SP) sagte bereits, er sehe keine Notwendigkeit für einen Neubau, weil das Kongresshaus am See modernisiert wird.

Diese ablehnende Haltung sei der Grund, dass sich Universität und ETH nicht für die Initiative engagierten, obwohl sie laut Gubler von der IG Interesse an einem Kongresszentrum haben: Es sei für sie nicht opportun, in einem politischen Konflikt Stellung zu beziehen – schon gar nicht gegen den Stadtrat, mit dem sie in mehrere Grossprojekte involviert sind. Die IG hofft, mit einem Effort am anstehenden Abstimmungssonntag bis 20. Juni trotzdem noch auf 3000 Unterschriften zu kommen, um ihre Initiative an die Urne bringen zu können.

Sehr geehrter, lieber Herr Redaktor Huber
 
Verschiedene meiner Freunde haben mich heute früh schon per Telefon und Mail auf Ihren ausgezeichneten Artikel aufmerksam gemacht und ihrer Freude über Ihren Beitrag Ausdruck gegeben. Als “Ex-Tourismusdirektor” danke ich Ihnen herzlich für Ihren Artikel, den ich sehr schätze und als nützlich für eine sachliche Behandlung dieses wichtigen Projektes und für weitere Stellungnahmen erachte.

Mit freundlichen Grüssen
Aktivsenior Erich Gerber
Mitglied BDP Stadt Zürich
 
Stettbachstrasse 75, 8015 Zürich
Tel. 044 322 59 86
www.aktivsenior-erichgerber.ch (mit 220 000 Clippings)
 

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Neueste Kommentare

04.11 | 17:06

Wir fahren oft mit Seilbahnen und geniessen den Rundblick - der Lärm hat uns nie gestört, haben aber Verständnis für Menschen, die bei einer Station leben.

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04.11 | 11:07

Dass die unnötige Zooseilbahn keinen Lärm verursacht ist falsch. Herr Gerber hat wohl noch nie neben einer Seilbahn Tal- oder Berg-station gelebt! Mehr Verkehr.

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28.08 | 12:11

Toller Bericht, schöne Aufnahmen!

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01.11 | 11:44
Altersstrategie erhielt 1
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