Interview mit Stadtrat Hauri

Stadtrat Andreas Hauri

Wie wohnen die älteren Zürcherinnen und Zürcher?
Interview mit Stadtrat Andreas Hauri

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Mehr ambulante Betreuung vor Ort, weniger Pflegebetten und vielfältigere Wohnformen in der Stadt Zürich – das ist das Ziel der «Altersstrategie 2035».

4. Januar 2021

Herr Hauri, welche Bedürfnisse haben die älteren Menschen von morgen bezüglich Wohn- und Lebensformen?

Die meisten älteren Menschen wollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben und dort die nötige Pflege und Unterstützung bekommen. Sie legen viel Wert auf ein selbstbestimmtes Leben, Vielfalt, Mobilität und Individualität. So auch die Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher. Das ist das Ergebnis eines breiten Mitwirkungsprozesses im Rahmen der «Altersstrategie 2035» der Stadt Zürich.

Was muss sich ändern, damit das möglich wird?

Es braucht mehr altersgerechten Wohnraum, der bezahlbar ist. Die Stadt muss bei Neubauten darauf achten, dass die Wohnungen hindernisfrei und modular anpassbar sind. Auch müssen die Beratungs- und Unterstützungsangebote im Quartier gefördert werden. Wir bringen das Angebot zu den Menschen und nicht umgekehrt. Was die Pflege betrifft, so müssen die ambulanten Dienste wie etwa die Spitex gestärkt werden. Denn nur so sind Pflege und Betreuung im eigenen Heim gewährleistet. Und nur so können betreuende und pflegende Angehörige entlastet werden.

Ist das für Menschen mit kleinen Renten überhaupt finanzierbar?

Es werden neue Modelle von finanziellen Beihilfen für Pflege und Unterstützung erarbeitet. Auch für einkommensschwache ältere Menschen muss es möglich sein, sich in den eigenen vier Wänden gut pflegen und betreuen zu lassen. Es darf nicht sein, dass ältere Menschen aus finanziellen Gründen in ein Heim müssen. Auch diese kosten – und letztlich sogar mehr.

Gute Pflege und Betreuung setzt qualifiziertes Personal voraus. Doch wir haben ja bereits heute eindeutigen Fachkräftemangel.
Wie geht man dieses Defizit an?

In der Stadt Zürich fehlen ganz klar qualifizierte Pflegefachleute, obwohl wir gut aufgestellt sind. Die Stadt bietet bereits heute attraktive Anstellungsbedingungen: familienfreundliche Arbeits- und Teilzeitmodelle, branchengerechte Löhne, gute Sozialleistungen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Für Pflegende und Betreuende jedoch ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatem besonders herausfordernd. Hier müssen die Spitäler, Alters- und Pflegezentren sowie Spitex-Organisationen ansetzen und sich verstärkt als attraktive Ausbildungs- und Arbeitsplätze positionieren.

Die nächste Generation der Seniorinnen und Senioren ist die Generation der «Babyboomer». Sie stehen Innovationen offener gegenüber und wollen ihr Leben selbstbestimmter leben. Auch können sie mit einer langen Lebensphase nach der Pensionierung rechnen. Wie wirkt sich das auf ihre Wohnbedürfnisse aus?

Im Trend bei dieser Generation liegt der Wunsch nach Alters-WGs oder Cluster-Wohnungen, wo sie ihre Eigenständigkeit weiter leben wollen. Auch legen die Babyboomer Wert auf altersgemischte Siedlungen. Diese Nachfrage nach gemeinschaftlichen und generationengemischten Wohnformen ist gross und dürfte in den nächsten Jahren weiter steigen.

Die «Altersstrategie 2035» ist nun auf Papier. Jetzt müssen die Massnahmen aber noch umgesetzt werden. Wo stehen wir?

Die Umsetzung ist im Gange. Es gibt Massnahmen, die sich leichter umsetzen lassen. Andere wiederum brauchen von Natur aus mehr Zeit – wie etwa bauliche Projekte. Hinzu kommt, dass verschiedene Departemente involviert sind. Wichtig aber ist, voranzukommen. Und das machen wir. Manchmal in kleinen Schritten. Ich bin begeistert, wie engagiert alle Beteiligten in der Erarbeitung der Altersstrategie und in der Umsetzung waren und sind. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an alle.

 

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