Schrift von Pfr. E. Thomann

Das Pfrundhaus St. Leonhard Zürich

Das gute Leben im Alter

An bester Lage mit herrlichem Blick auf die Innenstadt thront das Alterszentrum Bürgerasyl-Pfrundhaus. Beide Häuser wurden im 19. Jahrhundert gebaut: das Pfrundhaus 1842, das Bürgerasyl 1877. Die Bauten wurden unter der Ägide der renommierten Architektin Tilla Theus saniert und stilvoll umgebaut. Bei uns sollen die Bewoh-nerinnen und Bewohner finden, was viele Menschen sich im Alter wünschen: Geborgenheit, Sicherheit, menschliche Kontakte und ein Umfeld, das ein selbständiges Leben möglich macht. Die bisherigen Lebensgewohnheiten weiter pflegen, Freiheit und Unabhängigkeit so weit wie möglich bewahren und doch jederzeit die notwendige Unterstützung und Hilfe finden, definieren wir als Grundpfeiler der Lebensqualität.
Unser kulturelles Angebot wie Konzerte, Lesungen, Vorträge ist bekannt und zugänglich auch für die interessierte Öffentlichkeit. Ein Geheimtipp ist unsere Cafeteria mit herrlicher Terrasse, wo wir unsere Gäste mit feinen Mittagsmenüs oder Kaffee und Kuchen verwöhnen dürfen. Ein traumhafter Blick über die Limmatstadt rundet das Erlebnis ab. Dank unserer zentralen Lage ist unser Haus auch ein beliebter Ort für Seminare und Kurse. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

 „Die Pfrundanstalt St. Leonhard der Stadt Zürich“ Zürich 1916, Verlag Art. Institut Orell Füssli

Meine Zusammenfassung aus dieser Schrift
von Verwalter Pfr. E. Thomann

„Die Altersfürsorge hat seit frühen Tagen auch in Zürich eine Heim-stätte gefunden. Waren es in den Zeiten des Mittelalters mehr nur die Klöster, welche den alten und gebrechlichen Personenwie den Armen und Kranken mannig-fache Unterstützung gewährten, so gab es daneben jederzeit, vor allem seit der Reformation, auch noch besondere Anstalten und Institutionen, welche den betagten, arbeitsunfähig gewordenen und damit vielfach auch hülfsbedürftigen Männer und Frauen, Greisen und Greisinnen Aufnahme und Verpflegung boten; so auch in der Stadt Zürich.

Weitere Häuser:

- Pfleghaus oder Siechenhaus St. Jakob an der Sihl
- Spannweid und Rösslibad, auch St. Moritz
- Das alte Spital in Zürich

Die neue Pfrundanstalt St. Leonhard

Bauplan und Voranschlag für das neue Pfrundhaus stammten vom bekannten Architekten Leonhard Zeugheer, eines der besten zürcherischen Architekten um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Bau begann am 1. Juni 1840 und wurde am 24. Oktober von den Pfründern bezogen. So nannte man damals die Insassen. Die festliche Einweihung des neuen Pfrundhauses fand am 27. Oktober 1842 statt. 78 Insassen konnten Aufnahme finden, wobei jede Person als „grösste Wohltat“ ein eigenes kleines Zimmer erhielt, in das man sich immer wieder zurückziehen konnte, geschützt und geborgen war.

Neben den Pfründerzimmern und den erforderlichen Verwaltungs- und Vorratsräumen fanden sich grosse Säle zur Benützung der Bewohner, ein Speisesaaal, ein Lesesaal mit den 8 Hauptzeitungen, zwei Arbeitssäle je für Männer und Frauen, ein Billard, ein geräumiger Betsaal für die sonntäglichen Gottesdienste, drei Krankensäle für Männer und Frauen, wo zwei Krankenschwestern das ganze Jahr hindurch walteten. In zwei Badezimmern hatte es 4 Badewannen. Dort konnten die Insassen warme Bäder erhalten. Uebrigens bot eine Bibliothek mit 2‘000 Bänden reichlichen Lesestoff und Abwechslung. 

Sämtlichen Pfründern wird die weitestgehende Freiheit eingeräumt. Alle mussten abends spätestens um 9 Uhr zuhause sein, aber sonst verfügen die Bewohner völlig frei über ihre Zeit.

Verrichten sie im Haus selbst verschiedene Arbeiten wie Waschen, Flicken, Glätten, so erhalten wie pro Tag eine Entschädigung von 1 Franken und für ihre Mithilfe beim Tischen pro Woche dreieinhalb  Franken. Dagegen haben die Frauen das Zurüsten der Gemüse und die Reinigung der Gläser und Flaschen unentgeltlich zu übernehmen. Für kleinere Bedürfnisse empfangen alle Pfründer ein Wochengeld von je 50 Cts.  Die Anschaffung und Ergänzung der Kleider ist Sache der Pfründer. Nahrung und Unterhalt sind einfach und schlicht.

Die Aufnahmebedingungen sind die denkbar günstigsten. Jeder Bürger und jede Bürgerin der Stadt Zürich, welche das 60. Alters-jahr zurückgelegt hat, ist zur Aufnahme berechtigt. Mit dem Tag des Eintritts hört das Verfügungsrecht über das persönliche Besitztum auf. Der betreffende Pfründer hat aber bis zu seinem Lebensende den Zinsgenuss von seinem Kapital zugut. Allgemein gültige Vorschrift ist aber, dass jeder Eintretende das erforderliche Mobiliar mitbringt.

Ueber die Kosten mögen folgende Angaben dienen:

Die Jahresausgabe für einen der 78 Pfrundinsassen, alles inbe-griffen, die gesamte Verwaltung, Hausarzt, Geistlicher, Medikamente, auch bauliche Arbeiten, dagegen nicht  miteingerechnet eine Verzinsung der Liegenschaft, beträgt 640 Franken, und ein Pflegetag kommt auf Fr. 1.76 zu stehen. Für die gesamten Lebensmittel allein müssen für den einzelnen Insassen pro Jahr 326 Franken und pro Tag 90 Cents in Rechnung gestellt werden, wobei also zu betonen ist, dass jeder Pfründer an jedem Tag Fleisch und Wein erhält.
Gegenwärtig z.B. besitzen von 78 Insassen 36 kein Vermögen, die übrigen 41 dagegen – von 100 bis 12‘000 Franken - ein Gesamtkapital von 99‘770 Franken.
Die Zahlen belegen, dass in Zürich für die humanitären Institutionen viel getan wird. Das Alter verdient eine volle Wertschätzung und wohl-wollende Berücksichtigung. Von dem nordischen Stamm der Vikinger wird berichtet, dass man einst bei ihnen die alt und hülflos Gewordenen in gebrechlichem Kahn ins Meer hinaus habe treiben lassen zum Nimmerwiederkehren.

Die wichtigste, dringende und zwingende Frage der nächsten Zukunft wird aber lauten, auf welche Art und Weise die kommende Grossstadt Zürich mit der bedeutend erweiterten Bürgerschaft für ihre alten, müd und matt gewordenen, ganz oder doch teilweise unbemittelten Männer und Frauen sorgen wird, die nicht ohne weiteres das Glück haben, im eigenen, alt gewohnten Heim ihren Lebensabend zu verbringen?  
Ein zweites Pfrundhaus ist eine Notwendigkeit.
„Zürich, vergiss deine alten Bürger und Bürgerinnen nicht!

Erich Gerber

 

Das heutige Gebäude

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24.07 | 21:27

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