Was bedeutet Freundschaft?

Alois Uttinger mit seinem herzigen Hund

Was ist ein guter, treuer Freund,
was bedeutet Freundschaft?

Ich muss gestehen, dass ich als Mann zu wenig gut beurteilen kann, was Frauen zu diesem Thema empfinden und was sie aus Erfahrung dazu meinen. Könnten sie nicht selber darüber nachdenken und dazu Stellung nehmen? Dieser Vergleich könnte interessant sein.


Lieber Alois Uttinger, zuerst möchte ich Dir ein Kränzlein winden und berichten, wie wir hier Freunde geworden sind.

Kürzlich habe ich Dich am Bewohnertisch gefragt, was ein neuer Bewohner hier im Zentrum machen muss, um einen Freund zu bekommen.
Deine prompte Antwort lautete: «Das ist sehr schwierig!»

Du hast Recht – warum möchte ich hier erklären.
Aus unseren Erlebnissen wissen wir wohl alle, dass es viel braucht, um nur schon den Namen eines neuen Bewohners zu erfahren und mit ihm ins Gespräch zu kommen. Neue Bewohner werden jetzt im Lift angekündigt und mit einem Rundschreiben an uns alle mitgeteilt. Das ist ein Fortschritt.

Blosse Kontakte genügen aber nicht, um miteinander Freunde zu werden. Was braucht es denn? Ich meine, dass es dafür es etwas Gemeinsames braucht, zum Beispiel, wenn wir am Tisch zusammen essen und reden, gruppenweise zusammen turnen oder singen, im Garten arbeiten, unser Gedächtnis trainieren oder zusammen einen Jass-Nachmittag aufziehen, wie das Alois früher mit grossem Erfolg getan hat. Dabei können wir Freunde oder Freundinnen werden.

Ich öffne hier unsere frühere Hauszeitung «Bachschteiposcht» (Nummer 11 vom Oktober 2018), wo ich auf Seite 10 lese, dass  Alois im Jahr 2010 (also vor 11 Jahren!) mit seiner Frau hier im Zentrum eingezogen bist. Nach 6 Jahren ist seine liebe Frau leider verstorben. 

Als Du mehr Zeit und Lust hattest lieber Alois, hast Du in unserem Zentrum einen Jass-Club für Damen und Herren gegründet, der jeden Donnerstag-Nachmittag im Kafi zusammengespielt hat.
Wie Du hier selber schreibst, habt ihr nicht um Geld gespielt, sondern weil Ihr Freude hattet, miteinander zu spielen und Euch noch besser kennenzulernen. Du schreibst, dass Jassen die Seele frei macht. "Jassen ist die beste Medizin und: Jassen bindet Freundschaften". Ob daraus auch Freundschaften entstanden sind, wirst Du uns sicher sagen. Meine Frage: Könnte das gemeinsame Jassen wieder kommen?

Wie Ihr wisst, kommen am Bewohnertisch im Stübli jeden Nachmittag ab 15 Uhr Bewohnerinnen und Bewohner zusammen um miteinander zu plaudern und freiwillig etwas zu trinken. So kann man sich kennen-lernen. Diesen Kontakttisch haben wir im vergangenen Sommer draussen eingeführt. Er bewährt sich gut. Es hat noch freie Plätze!

Danke dem Service, dass Ihr diese Tische immsr wieder bereit stellt!

Lieber Alois, für mich bist Du vom Bewohnertisch her ein lieber Freund geworden. Dieses originelle Bild mit Deinem herzigen Hund zeige ich gerne. Wir reden gerne miteinander und gerne stosse ich Deinen Rollstuhl nachher wieder in Dein Zimmer und winke zum Abschied.

Zur Hauszeitung: Ich freue mich, dass wir im kommenden September wieder eine Hauszeitung bekommen.

Zur Vorbereitung auf dieses Thema habe ich mir eine Liste meiner besten Freunde und Freundinnen notiert und mir überlegt, wo und wie ich diese Personen kennengelernt habe und was wir zusammen unternommen haben, um gute Freunde zu werden und es auch zu bleiben.

Bei mir sind es einzelne Namen aus dem Wohnquartier, aus der Schule, dem Gymi, der Verwandschaft, den Pfadi, der Jugendgruppe, der Kirche, der Rekrutenschule, im Männerchor und andern Vereinen, aus der Politik und natürlich jetzt aus unserem Zentrum.

Mit Lorenzo Zala bin ich zum Beispiel aus unserem Wohnquartier jeden Tag zusammen ins Gymi gelaufen, wo wir jahrelang auf der gleichen Schulbank sassen. Mit meinem Pfadivenner Pilz habe ich bei der Pfadfinderabteilung Patria Bern an Samstagnachmittagen meist im Bremgartenwald rassige Uebungen veranstaltet und mit dem Truppführer Moli 14-tägige Zeltlager im Wallis geplant und durchgeführt.

Als ich mit 10 Jahren meinen 46-jährigen Vater nach seinem Herzschlag beim Tennisspielen verlor, hat mir Pfarrer Markus Stotzer menschlich enorm geholfen. Ich konnte bei Problemen jederzeit -Tag und Nacht - bei ihm zuhause vorbeigehen und viel Kraft von ihm schöpfen. Ich habe ihm dann bei der Gründung einer Jugendgruppe geholfen. In einem Totentanz musste ich den Tod spielen. Markus und ich sind Freunde fürs ganze Leben geworden und geblieben.
Mit den Rekruten, die ich 1954 als Leutnant in der Kaserne Bern geführt habe und noch leben, sind wir nach 66 Jahren immer noch zusammengekommen. Aus Soldaten sind Freunde fürs Leben geworden.

Was heisst das?
Wenn wir zusammen etwas unternehmen und leisten, das nicht ganz selbstverständlich ist, das einen persönlichen Einsatz und eine besondere Anstrengung erfordert - wenn es gilt, gewisse Ziele zu erreichen, Probleme zu lösen, das nötige Geld zu beschaffen und  weitere Schwierigkeiten überwinden, können aus blossen Kontakten mit der Zeit echte, sogar dauerhafte Freundschaften zwischen einzelnen Menschen entstehen.

Was bedeutet eine persönliche Freundschaft?

Es ist dieser eine Freund, der eurer Beziehung treu bleiben wird, für immer und ewig.

Es ist dieser eine Freund, an den wir immer denken, ob es ihm gut geht und ob wir ihm helfen können, schwierige Zeiten ein wenig besser zu überstehen.

Ein treuer Freund ist jemand, der Eure Beziehung zu seiner Hauptsache macht.

Er wird auf deiner Seite sein, egal was passiert.

Es bedeutet, dass er immer Zeit für dich hat, um dir zu helfen, um die Probleme zu lösen, die du in deinem Leben haben könntest.

Eine solche Freundschaft gibt dir Kraft, ein noch besserer Mensch zu werden.

Das Zusammenhalten in schwierigen Zeiten macht eine Freundschaft immer stärker.

Er ist auch gerne in der Gesellschaft all deiner andern Freunde.

Wahre Freunde sind jene Freunde, die dir nie Grund zum Misstrauen geben.

Sie verstehen, dass jeder seine eigenen Entscheidungen trifft, und sie respektieren deine. 

Treue Freunde zwingen dich nicht, etwas zu tun, was dir nicht gefällt, nur weil sie es tun.

Sie lieben deine Eigenarten und Fehler, denn diese sind es, die dich in ihren Augen so besonders machen.

Vergiss also nicht, deine Freunde so zu behandeln, wie sie dich behandeln – mit Respekt, Geduld, Liebe und Vertrauen. 

 Erich Gerber (89)

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24.07 | 21:27

Erich, der beste Hotelfachschul Direktor, der die Schweiz je hatte!

...
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