Artikel von Erich Gerber

«Herzogenmühlestamm»
Vortrag von Erich Gerber

Gesund älter werden

Liebe anwesende Männer und Frauen

Ich staune und freue mich über das doch recht hohe Durchschnittsalter von 92 Jahren in unserem Zentrum! Bedeutet das nicht, dass wir gerne älter werden und dass es so vielen unter uns so gut gelingt?

Wie viele andere Menschen wünschen sich manche unter uns ein langes Leben bei guter Gesundheit. Um diese Frage möchte ich mich jetzt kümmern: Wie werden wir alt? Ist es möglich, bis ins hohe Alter ein aktives und selbstständiges Leben zu führen? Oder schränken Beschwerden unsere Beweglichkeit ein und wird Pflege nötig?

Es gibt vielfältige Altersbilder, die sich in unterschiedlichen Lebens-entwürfen und Kompetenzen niederschlagen. Ältere Menschen mit einem positiven Selbstbild trauen sich mehr zu, bleiben körperlich aktiver oder beteiligen sich mehr an sozialen Aktivitäten als jene mit einem negativen Selbstbild. 

Welches sind die Voraussetzungen für ein gesundes Altern?

Ob man gesund altert, hängt sowohl von den Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Verhältnissen ab, aber auch von unserem persönlichen Verhalten, von den erlernten Fähigkeiten und unserem Wissen ab. Sehr wichtig sind unsere Erbanlagen: Manches hängt von den Genen ab, die wir in unseren Generationen einander weitergeben.

Die Möglichkeiten und Chancen unser Leben im Alter gesund zu gestalten, sind nicht für alle gleich. Jeder Mensch hat in seiner Lebenswelt unterschiedliche Ressourcen.  Dazu zählen: 

Erstens:
Das Einkommen, das Vermögen, die Schulden und der ganze Lebensstandard
: Das „ökonomisches Kapital“ beeinflusst unseren  gesamten Lebensverlauf: welche Angebote können wir uns im Alter leisten?. Armut und geringes Einkommen können einen schlechteren Gesundheitszustand verursachen.

Zweitens:
Die Bildung und was damit zusammenhängt
: Sie beeinflusst als „kulturelles Kapital“ unsere Situation: Eine geringe Bildung ist häufig mit einer geringen Gesundheit verbunden.

Drittens:
Soziale Beziehungen
(Familie, Freunde, Nachbarinnen / Nachbarn etc.): Dieses „soziale Kapital“ kann die Gesundheit durch Anerkennung und  Hilfeleistungen unterstützen.

Viertens:
Die körperliche und psychische Gesundheit
: Das „gesundheitliche Kapital“ ist besonders bei älteren Menschen wichtig. Es beeinflusst  u.a die Mobilität, das soziale Dabeisein, den Pflegebedarf und nicht zuletzt unsere Lebensqualität im Alter.

Die staatliche Gesundheitsförderung für ältere Menschen hat zum Ziel, besonders benachteiligte Personengruppen zu unterstützen, und zwar Menschen mit ökonomischen, kulturellen, sozialen und gesundheitlichen Defiziten.

Welche Rolle spielt der Lebensstil?

Das individuelle Verhalten eines Menschen schlägt sich in der Lebensweise und im Lebensstil nieder. Zu einem Lebensstil, der ein gesundes Altern mit körperlicher und psychischer Gesundheit begünstigt, zählen unter anderem:

  • regelmäßige körperliche Aktivität,
  • gesunde Ernährung mit einer ausgewogenen Energiebilanz,
  • Nichtrauchen oder
  • geringer Alkoholkonsum,
  • lebenslanges Lernen,
  • eine erfüllte Partnerschaft und Sexualität,
  • soziale Kontakte und
  • eine positive Lebenseinstellung.

Ernährung – ausgewogen & abwechslungsreich 

Wichtig für die Erhaltung der Gesundheit im Alter ist eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Vermieden werden sollten sowohl Uebergewichtn als auch Untergewicht als Folge von Mangelernährung (was im Alter häufig vorkommen kann)-

Bewegung – körperlich aktiv und mobil bleiben

Eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit im höheren Alter hat nicht nur biologische Ursachen, sondern wird auch wesentlich durch Bewegungsmangel beeinflusst. Menschen, die sich zu wenig bewegen, altern rascher als jene, die regelmäßig und vor allem lebenslang körperlich aktiv sind. Durch gezieltes Training, aber auch durch das Nutzen von alltäglichen Bewegungsgelegenheiten (z.B. zu Fuß gehen, Treppen steigen) können die Mobilität und körperliche Lei-stungsfähigkeit und damit die Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten und verbessern.

Mobil zu bleiben ist eine wesentliche Voraussetzung für die Selb-ständigkeit und eine gute Lebensqualität. Bewegungsmangel, aber auch altersbedingte Abnutzungen oder Erkrankungen des Bewegungs-apparats führen im Alter zu immer größeren Einschränkungen der Beweglichkeit oder gar zum Verlust der Mobilität und münden häufig in der Pflegebedürftigkeit. Beschwerden sind jedoch beeinflussbar und können u.a. durch gezieltes Training und Bewegung reduziert werden.

Seelische Gesundheit – geistig jung bleiben

Altern wird oft mit Verlusten in Verbindung gebracht, z.B. bei sozialen, beruflichen Kontakten oder bei der Gedächtnisleistung. Menschen können aber – unabhängig von den körperlichen Veränderungen – gerade im höheren Alter auch „Wachstum“ erleben, sich weiterent- wickeln und Neues lernen.
Und sie verfügen über ein wertvolles Gut: ihre Lebenserfahrung. Wichtig ist, den Geist fit zu halten.
Geistige Aktivität wirkt sich positiv auf die Lebenszufriedenheit aus und ist ein wichtiger Teil der Bedingungen für gesundes Altern.

Psychologische Faktoren für gesundes Altern sind:

  • Ausreichende soziale Vernetzung (Familie, Partnerschaft, Freunde, Bekannte etc.),
  • eine erfüllende Rolle in der Gemeinschaft bzw. Gesellschaft,
  • die Bereitschaft, neue Herausforderungen anzunehmen,
  • eine positive Lebenseinstellung, positive Gedanken und Gefühle,
  • die Fähigkeit, mit Problemen fertig zu werden und mit anderen Menschen gut auszukommen, sowie
  • eine sichere Existenz bzw. finanzielle Absicherung.

Aktivität oder Ruhe – jedem das Seine

Um erworbene Kompetenzen, Werte und soziale Beziehungen so lange wie möglich zu bewahren, kann man etwas tun. Für das seelische Wohlbefinden im Alter spielt die individuelle Balance zwischen Aktivität und Ruhe eine wichtige Rolle. Ein aktives Leben kann das Altern verzögern, denn Aktivität und Selbstverwirklichung tragen viel zur Zufriedenheit bei. So leiden manche unter der Umstellung vom Berufsleben in den Ruhestand. Neue soziale Beziehungen und Aufgaben wirken einer Vereinsamung entgegen.

Zufriedenheit kann aber auch eine Entscheidung zu Passivität sein. Denn positives, erfolgreiches Altern wird als Zufriedensein mit dem gegenwärtigen und vergangenen Leben beschrieben. Somit entsprechen sowohl freiwillige Passivität als auch die Suche nach neuen Aktivitäten einem realistischen Bild des gesunden Alterns.

Erich Gerber
28.Juni 2021

 

 

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Erich, der beste Hotelfachschul Direktor, der die Schweiz je hatte!

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