"Uebrigens" von Alois Grichting

Nette Dekoration!
Schmuck im Speisesaal
Schmuck in der Halle

1. August bei uns

Am 1. August veranstaltet unser Zentrum ab 17.45 Uhr in den Speiseräumen einen fröhlichen Grillabend zur Feier unseres Nationaltages. Wir freuen uns darauf und danken Frau Barbara Oetiker, ihrem Team und allen andern Beteiligten für ihre Mühe, die sich wirklich gelohnt hat. BRAVO auf an dieser Stelle!

Dr. Alois Grichting

"Übrigens"
von Dr.rer.pol. Alois Grichting

Überholte Reden und Gesänge am Nationalfeiertag
Unsere Traditionen sind zu überdenken: Wohin führen sie?
Wie werden sie? Sollten sie neuen Traditionen Platz machen?

1.-August-Reden, wie sie bevorstehen, sind schweizerische Tradition zum Nationalfeiertag. Politiker aller Grade und Farben, auch «Helden irgendwelcher Art, Nichtpolitiker, Wirtschaftskapitäne usw. hielten bisher solche Ansprachen und suchten damit Gefolgschaft oder wenigstens Gesinnungsgenossen. Leider waren manche Reden, die ich im Oberwallis auf Dorfniveau nach Aufmarsch der Behörden, nach Turnübungen, Spiel der örtlichen Blasmusikgesellschaften usw. erlebte, nur zu oft durch Raketenaufstiege, lautes Gerede und Geschrei des Publikums gestört und nur teils vernehmbar. Mancherorts wurden 1.-August-Feiern denn auch bereits abgeschafft oder durch andere «Events» ersetzt. Neue Traditionen sind im Aufbau. Warum nicht?

Ins Reich der Traditionen gehört auch das Absingen der Nationalhymne in der Sportwelt. In der sich nun offenbar von Gott verabschiedenden Gesellschaft will man zwar die originale gute Hymnusmelodie beibehalten, den Text aber «säkular», mit weltlichem Inhalt, gestalten. Viele Sportler können ihn trotzdem nur mässig oder nicht singen.

Unsere «säkularisierte» Gesellschaft hält anderseits bei aller Abwendung von Kirche, Vatikan, Zölibat, bei Verdammung der Missbräuche durch Priester usw. usf. in Gottferne äusserlich noch an kirchlichen Traditionen wie Taufe, Firmung, Hochzeit, Begräbnis, Weihnachten usw. fest – auch wenn die Hochzeit im Hausgarten stattfindet, Taufe und Firmung auf später geschoben, das kirchliche Begräbnis durch Ausstreuen der Asche im Burgerwald, das Christkind durch den kitschigen Weihnachtsmann ersetzt werden. Traditionelle kirchliche Sakral-handlungen werden also eher kulinarisch betonte, säkulare Versammlungen für die Familiengeschichte. Traditionen «ändern». Neue, etwa «Halloween», kommen...

Es macht deshalb Sinn, zu überlegen, was denn Traditionen wert sein könn (t)en. Vom lateinischen Wort «tradire» = überliefern, übergeben» stammend, versteht man unter «Tradition» eine Weitergabe von Verhaltensweisen, Ideen, Werten, ganz allgemein von Kultur von einer Generation zur nächsten.

Eine der wesentlichen Traditionen unseres Volkes ist, so gesehen, die Sprache,
die uns als Gruppe Identität und auch Legitimität gibt. Trotz unserer verschiedenen Dialektformen erkennt man uns als Oberwalliser.

Wir unterscheiden uns denn auch von den Deutschschweizern. Wir verfügen in Sprache, Religion, Brauchtum usw. über eigene Werte, die sich als «kulturelles Gedächtnis» in Traditionen ausdrücken – in Erinnerungen an eine gemeinsame Geschichte, in verschiedenen Bräuchen, in Sagen usw., die so auch Mythen werden. Traditionen erhalten dadurch normative Kraft. Überliefertes soll Gegenwärtiges begründen oder auch kommentieren. Dabei ist wohl zu unterscheiden, dass Vergangenes helfen oder auch hemmen kann.

Beschäftigung mit Tradition ist also harte Beschäftigung mit Gegenwart. Was heute gilt, ist morgen vielleicht bedeutungslos. Über Traditionen ist täglich zu entscheiden. Dabei gilt es, nicht zu vergessen, dass Traditionen und Geschichte – wie dies diktatorische Staaten in Russland, China, Türkei, Iran usw. gerade zeigen – an Machtverhältnisse angepasst, umgedeutet, vereinnahmt und missbraucht werden und in übertriebenen Nationalismus, gar Hass auf andere Völker und Minderheiten münden. Davon sind wir noch weit entfernt, zeigen aber schon schräge rassistische Ansätze. Wohin die Handhabung unserer Traditionen führen wird, ist allerdings ungewiss. Singen wir deshalb am 1. August unsere Nationalhymne und auch das Walliser Lied «Nennt mir das Land», zwar freudig, aber auch nachdenklich...!

Alois Grichting, 1933, Brig-Glis,
Dr.rer.pol., Dipl.Ing ETHZ
ist Ingenieur, Volkswirtschafter, Lehrer i. R., Publizist.

Im Jahr 2002-2003 war er Governor des Rotary Distriktes 1990

alois.grichting@gmail.com

 

 

Neuen Kommentar schreiben (Hier klicken)

123website.ch
Zeichen zur Verfügung: 160
OK Senden...
Alle Kommentare anzeigen

Neueste Kommentare

24.07 | 21:27

Erich, der beste Hotelfachschul Direktor, der die Schweiz je hatte!

...
24.08 | 15:45
Einhausung erhielt 1
17.08 | 14:25
Lunch80plus 2021 erhielt 3
25.07 | 14:01
Ihnen gefällt diese Seite